Steuerrecht 2016: Diese Änderungen sollten Sie kennen

Neues Jahr, neue Gesetze, neue Herausforderungen – und insbesondere im Steuerrecht hat der Gesetzgeber im vergangenen Jahr eine Menge an Neuregelungen und Änderungen beschlossen, beispielsweise durch das StÄndG 2015 oder das BilRUG.

Damit Sie nicht den Überblick verlieren, werfen wir im heutigen Beitrag einen Blick auf die wichtigsten Gesetzesänderungen zum 1.1.2016. Außerdem wagen wir einen kurzen Blick in die Glaskugel: Was wird in 2016 steuerrechtlich auf uns zukommen?

Aber dazu weiter unten mehr. Legen wir erst einmal los mit den wichtigsten Steuerrechtsänderungen in 2015!

Erhöhung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags und des Kindergelds

Das Gesetz zur Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags sorgt für eine Anpassung um 180 EUR: Der Grundfreibetrag wird im Jahr 2016 von 8.472 EUR auf 8.652 EUR erhöht.

Darüber hinaus werden folgende (Frei-)Beträge angepasst:

  • Der Kinderfreibetrag je Elternteil steigt von 2.256 EUR auf 2.304 EUR,
  • das Kindergeld wird auf 190 EUR für das erste und das zweite Kind sowie auf 196 EUR für das dritte und auf 240 EUR für alle weiteren Kinder angehoben,
  • der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird auf 1.908 EUR angepasst, außerdem wurde ein Betrag von 240 EUR zusätzlich für jedes weitere Kind beschlossen.

Weitere Informationen zum Gesetz zur Anhebung des Kindergeldes haben wir hier für Sie aufbereitet.
 

Steueränderungsgesetz 2015

Das „geheime“ Jahressteuergesetz 2016 hat im vergangenen Jahr für einiges Aufsehen gesorgt. Erst sollte es lediglich ein kleines Maßnahmenpaket werden, mit dem die Regierung gesetzgeberische „Altschulden“ beim Bundesrat begleichen wollte. Der Länderkammer war das jedoch nicht ausreichend genug – mit der Zeit wuchs der Maßnahmenkatalog auf über 100 Seiten an.

In seiner finalen Form vom 16.10.2015 setzt das StÄndG 2015 nun wichtige und teilweise weitreichende Änderungen im EStG, im UmwStG, im KStG, in der AO und in anderen Steuerrechtsgebieten um. Unter anderem zählen dazu:

  • Die Abschaffung des Funktionsbenennungserfordernisses beim Investitionsabzugsbetrag,
  • die Ausdehnung der Konzernklausel um Personenhandelsgesellschaften,
  • die Schließung von Lücken im Umwandlungssteuerrecht sowie
  • die Einführung der Wirtschafts-Identifikationsnummer (kurz W-IdNr.) in die AO.

Hinzu kommen weitere Anpassungen, die der Bundesrat während des Gesetzgebungsverfahrens in den Entwurf aufnehmen lies. Hierzu zählen:

  • Die Anpassung der Besteuerung stiller Reserven bei der Veräußerung bestimmter Anlagegüter an die Rechtsprechung des EuGH,
  • eine Klarstellungen zur Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Bauleistungen sowie
  • die Neuschaffung einer gesetzlichen Regelung zur Ausnahme bei der Anwendung der Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Leistungen an den nichtunternehmerischen Bereich von juristischen Personen des öffentlichen Rechts.

Das StÄndG 2015 wurde Anfang November im BGBl verkündet; alle Maßnahmen sind spätestens mit dem 31.12.2015 in Kraft getreten.

Einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Änderungen durch das Steueränderungsgesetz 2015 lesen Sie jetzt in unserem gleichnamigen Spezialreport.

Laden Sie sich den Report hier kostenfrei herunter:
 

BilRUG

Mit dem bereits im Juli 2015 in Kraft getretenen Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (kurz BilRUG) kam die zweite große HGB-Reform binnen weniger Jahre. Notwendig wurde sie durch neue Vorgaben auf europäischer Ebene.

Die neuen Bilanzierungsregeln , mit Ausnahme der erhöhten Schwellenwerte für die Einstufung der Größenklassen. Diese können bereits rückwirkend zum 31.12.2013 für darauf folgende Geschäftsjahre Anwendung finden.

Die Werte haben sich wie folgt geändert:

Größenklassen:KleinstKleinMittelGroß
Bilanzsumme
in Mio. EUR
≤ 0,350,35 – 0,6
(0,35 – 4,84)
6 -20
(4,84 – 19,25)
> 20
(>19,25)
Umsatz
in Mio. EUR
≤ 0,707 – 12
(0,7 – 9,68)
12 – 40
(9,68 – 38,5)
> 40
(>38,5)
Mitarbeiter≤ 10> 10 – ≤ 50≤ 250> 250

Tabelle 1: Geänderte Größenklassen (alte Werte in Klammern)

BruttomethodeNettomethode
Bilanzsumme
in Mio. EUR
> 24
(> 23, 1)
> 20
(> 19,25)
Umsatz
in Mio. EUR

> 48
(> 46,2)

> 40
(> 38,5)
Mitarbeiter> 250> 250

Tabelle 2: Befreiung von der Konzernabschlusserstellungspflicht (alte Werte in Klammern)

Weitere Informationen zum Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz lesen Sie jetzt auf unserer gleichnamigen Themenseite. Dort finden Sie ebenfalls einen umfassenden Spezialreport, der Sie praxisorientiert über alle relevanten Änderungen durch das BilRUG informiert. Klicken Sie hier!

Steuerrecht 2016: Was in diesem Jahr noch auf uns zukommt

Auch in 2016 stehen zahlreiche steuerrechtliche Projekte auf der Agenda des Gesetzgebers. Unter anderem soll mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens der Ausbau der vollautomatischen Bearbeitung von Steuererklärungen forciert werden. Hierzu hat die Regierung bereits Anfang Dezember 2015 einen ersten Gesetzesentwurf veröffentlicht, sowie einen unterstützenden Gesprächskreis aus Mitgliedern der Finanzverwaltung und Praxisanwendern eingerichtet. Das Gesetz soll spätestens am 1.1.2017 in Kraft treten.

Erbschaftsteuer in 2016: Reform muss her!

Spannender ist in 2016 jedoch die Frage, wie es bei der Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer weitergeht. Denn bereits am 1.6.2016 läuft die vom BVerfG gesetzte Frist aus – und von einem annehmbaren Gesetzesentwurf fehlt weit und breit jede Spur. Das Finanzministerium ist also in arger Bedrängnis und muss schleunigst eine verfassungskonforme Neugestaltung der Richtlinien vorlegen, die nicht nur die Bedingungen des BVerfG erfüllt, sondern auch Kritiker aus der Wirtschaft und der Politik zufriedenstellt. Bisher ist dies dem Finanzministerium nicht gelungen.

Weitere Informationen sowie einen umfassenden Spezialreport zu den Entwicklungen der Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer haben wir für Sie auf unserer umfangreichen Themenseite „Erbschaftsteuer: Vom BVerfG-Urteil zur nächsten Erbschaftsteuerreform“ praxisnah zusammengestellt. Klicken Sie hier!

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.