Neuer Gestaltungsspielraum für GWG ab 2010

Über das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 mussten geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bei Nettopreisen ohne Umsatzsteuer bis 150 € beim Erwerb, Herstellung oder Einlage ab 2008 zwingend sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden (§ 6 Abs. 2 EStG). Kostet das Anlagegut zwischen 150,01 und 1.000 €, gibt es gemäß § 6 Abs. 2a EStG eine zwingende Sammelbewertung über fünf Jahre mit jeweils 20 % AfA.

Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz (Gesetz zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums vom 22.12.2009, BGBl 2009 I S. 3950) haben sich die Regeln für die Abschreibung bei Preisen bis 1.000 € ab dem Jahr 2010 verändert. Nunmehr gibt es bei den Gewinneinkünften (Bilanz und Einnahmenüberschussrechnung) ein Wahlrecht bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nach dem 31.12.2009 angeschafft, hergestellt oder ins Betriebsvermögen eingelegt werden (§ 52 Abs. 16 Satz 14 EStG-E). Jahressteuergesetz.de vergleicht die aktuelle Rechtslage mit dem Vorjahr und stellt die neuen Wahlmöglichkeiten für GWG ab 2010 anschaulich mit Beispielen vor.


 

Die neue Wahlfreiheit ab 2010

Unternehmer und Freiberufler haben durch die Änderungen im Wachstumsbeschleunigungsgesetz ab 2010 folgende Wahlmöglichkeiten:

  • Alternativ zur sofortigen Abschreibung für GWG bis zur Höhe von 150 € ist dies auch bis 410 € möglich. Wirtschaftsgüter, deren Wert 150 € übersteigt, sind in einem laufend zu führenden Verzeichnis zu erfassen. Das Führen des Verzeichnisses ist allerdings nicht verpflichtend, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.
  • Die sogenannte Poolabschreibung für alle Wirtschaftsgüter zwischen 150,01 € und 1.000 € kann nur noch angewendet werden, wenn die sofortige Abschreibung für GWG ausschließlich bei Preisen bis 150 € gewählt wird.
  • Für die einheitliche Wahlrechtsausübung gibt es eine wirtschaftsjahrbezogene Betrachtungsweise.

Das eröffnet ab 2010 folgende Optionen im Vergleich zum Vorjahr

KaufpreisAnschaffung 2009 Anschaffung 2010
bis 150 €Zwingende sofortige Abschreibung in voller HöheWahlrecht zwischen zwei Optionen:

  1. sofortige Abschreibung in voller Höhe
  2. reguläre Abschreibung über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts
150,01  € bis 410 €
  • zwingende Einstellung in den Sammelposten
  • Die Abschreibung ist gleichmäßig auf fünf Jahre zu verteilen.
Wahlrecht zwischen drei Optionen:

  1. sofortige Abschreibung in voller Höhe
  2. Einstellung in den Sammelposten. Die AfA ist gleichmäßig auf fünf Jahre zu verteilen. Dies ist nicht möglich, sofern für andere Güter in dieser Preisklasse im gleichen Jahr die Sofortabschreibung gewählt wurde.
  3. reguläre Abschreibung über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts
410,01 € bis 1.000 €
  • zwingende Einstellung in den Sammelposten
  • Die Abschreibung ist gleichmäßig auf fünf Jahre zu verteilen.
Wahlrecht zwischen zwei Optionen:

  1. Einstellung in den Sammelposten. Die AfA ist gleichmäßig auf fünf Jahre zu verteilen. Dies ist nicht möglich, sofern für andere Güter in dieser Preisklasse im gleichen Jahr die Sofortabschreibung gewählt wurde.
  2. reguläre Abschreibung über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts

Die Regelung bei den Überschusseinkünften gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 Satz 2 EStG bleibt inhaltlich erhalten. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter bis zu 410 € können auch im Jahr 2010 weiterhin sofort als Werbungskosten abgezogen werden.

Tipp: Die Verwendung der Poolbewertung bis 410 € lohnt, wenn sich die Betriebsausgaben über mehrere Jahre mindernd auf den Gewinn auswirken sollen. Dann werden als Folgewirkung Preise bis netto 1000 € über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Die Sofortabschreibung für vereinzelte GWG bis 410 € lohnt nicht, wenn im gleichen Jahr viele Wirtschaftsgüter im Preis von mehr als 410 € bis 1.000 € angeschafft werden. Hier ist dann eine Sammelbewertung über fünf Jahre ausgeschlossen. Das betrifft insbesondere Anschaffungen im Dezember, die dann nur noch mit 1/12 der Jahres-AfA berücksichtigt werden können.

Die Option in der Praxis

Selbständige haben seit Anfang 2010 folgende Möglichkeiten, ihre GWG zu behandeln:

Beispiel 1: Ein Unternehmer kauft zwei GWG bis 150 €. Er kann

  • die Anschaffungskosten beider Wirtschaftsgüter sofort als Betriebsausgabe absetzen,
  • GWG 1 sofort und GWG 2 über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abschreiben oder
  • die Anschaffungskosten beider Wirtschaftsgüter über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abschreiben.

Beispiel 2: Der Unternehmer kauft zwei Güter zu 300 €. Er kann die Anschaffungskosten beider Wirtschaftsgüter

  • sofort als Betriebsausgabe absetzen (In diesem Fall muss er die Angaben in einem besonderen, laufend zu führenden Verzeichnis aufnehmen),
  • in den Sammelposten einstellen und gleichmäßig über fünf Jahre abschreiben (Diese Option entfällt,  wenn er für andere Güter bis 410 € im gleichen Jahr die Sofortabschreibung gewählt hat),
  • innerhalb der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abschreiben,
  • oder er kann GWG 1 sofort in voller Höhe und GWG 2 über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abschreiben.

Beispiel 3: Er kauft zwei Güter zu 500 €. Er kann die Anschaffungskosten beider Wirtschaftsgüter

  • in den Sammelposten einstellen und gleichmäßig über fünf Jahre abschreiben (Diese Option entfällt,  wenn er für andere Güter bis 410 € im gleichen Jahr die Sofortabschreibung gewählt hat) oder
  • innerhalb der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abschreiben.

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