15 Eckpunkte zu geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) ab 2010

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat rechtzeitig vor Erstellung des Jahresabschlusses für 2010 ein Schreiben zu den Zweifelsfragen zur bilanzsteuerlichen Behandlung von geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) bis 1.000 € veröffentlicht (BMF-Schreiben v. 30.09.2010 – IV C 6 – S 2180/09/10001). Die durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz geänderten Regeln lassen sich für seit Neujahr 2010 angeschaffte, eingelegte oder hergestellte bewegliche Wirtschaftsgüter mit Nettopreisen bis 1.000 € nutzen. Wir stellen die 15 wichtigsten Eckpunkte zur steuerlichen Behandlung von geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) ab 2010 für die Praxis vor.

  1. Die Neuregelungen sind bei kalendergleichen Wirtschaftsjahren erstmals im Jahresabschluss für 2010 anzuwenden. Dabei gilt generell der Grundsatz, dass die Aufwendungen nach Maßgabe des § 7 EStG unter Berücksichtigung der jeweiligen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes gewinnmindernd als Betriebsausgaben abzuziehen sind.
  2. Aufwendungen (ohne Umsatzsteuer) zwischen 0,01 € und 150 € können im maßgebenden Wirtschaftsjahr in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden. Das Wahlrecht lässt sich für jedes Wirtschaftsgut individuell in Anspruch nehmen. Mit Ausnahme der buchmäßigen Erfassung des Zugangs des Wirtschaftsgutes bestehen keine weiteren Aufzeichnungspflichten.
  3.  

  4. Aufwendungen zwischen 150,01 € und 410 € können in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden. Das Wirtschaftsgut ist in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufzunehmen, sofern diese Angaben nicht bereits aus der Buchführung ersichtlich sind. Alternativ ist die Erfassung in einem Sammelposten möglich. Das Wahlrecht kann nur einheitlich für alle Wirtschaftsgüter des Wirtschaftsjahres mit Aufwendungen zwischen 150,01 und 1.000 € in Anspruch genommen werden.
  5. Aufwendungen zwischen 410,01 € und 1.000 € können in einem Sammelposten erfasst werden. Dieses Wahlrecht kann nur einheitlich für alle Wirtschaftsgüter des Wirtschaftsjahres mit Aufwendungen in dieser Preiskategorie in Anspruch genommen werden.
  6. Der Sammelposten ist eine Rechengröße und kann für notwendiges und gewillkürtes Betriebsvermögen in einer jahrgangsbezogenen Position je Bilanz erfasst werden. Damit besteht ein unterschiedliches Wahlrecht gesondert für Gesamthands-, Sonder- und Ergänzungsbilanz.
  7. Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten erhöhen den Sammelposten des Wirtschaftsjahres, in dem die Aufwendungen entstehen. Sofern diese Regelung in diesem Wirtschaftsjahr nicht angewendet werden soll, beschränkt sich der Sammelposten auf die nachträglichen Aufwendungen und nicht auf die übrigen Investitionen dieses Jahres.
  8. Für ein im Sammelposten erfasstes Wirtschaftsgut sind keine Sonder- und Teilwertabschreibungen zulässig.
  9. Scheidet ein Anlagegut aus dem Betriebsvermögen durch Entnahme, Veräußerung oder Verschrottung aus, hat dies keine Auswirkung auf den Sammelposten, der wird planmäßig fortgeführt und – unabhängig vom Werdegang des jeweiligen Wirtschaftsguts – mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd zum Ende eines Wirtschaftsjahres aufgelöst.
  10. Die Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter spielt keine Rolle.
  11. Die jahrgangsbezogene Auflösung gilt auch bei Betriebsveräußerung oder -aufgabe. Der verbleibende Restbuchwert ist bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns nach § 16 Abs. 2 EStG zu berücksichtigen.
  12. Bei der Privatnutzung von Wirtschaftsgütern des Sammelpostens sind die als Entnahme zu behandelnden Selbstkosten im Schätzungsweg zu berechnen.
  13. Bei Übertragung oder Einbringung eines gesamten Betriebes zum Buchwert führt der übernehmende Rechtsträger den Sammelposten unverändert fort. Bei Einbringung zu einem über dem Buchwert liegenden Betrag liegt für den Übernehmer ein Anschaffungsvorgang vor, der zur Bildung eines neuen Sammelpostens führen kann.
  14. Die Veräußerung eines Mitunternehmeranteils hat keine Auswirkungen auf den Sammelposten der Gesamthandsbilanz. In der Ergänzungsbilanz des Erwerbers ist aus Vereinfachungsgründen immer nur ein Posten für im Sammelposten enthaltene Mehr- oder Minderwerte zu bilden. Dieser ist im Wirtschaftsjahr des Erwerbs und in den folgenden vier Wirtschaftsjahren mit jeweils einem Fünftel aufzulösen.
  15. Zwischen dem 01.01.2008 und dem 31.12.2009 angeschaffte, hergestellte oder eingelegte Wirtschaftsgüter sind noch nach den Regeln vor dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz zu behandeln. Das bedeutet, dass Aufwendungen bis 150 € zwingend in voller Höhe als Betriebsausgaben gelten und zwischen 150,01 € und 1.000 € zwingend in einen Sammelposten einzustellen sind.
  16. Beim abweichenden Wirtschaftsjahr 2009/2010 sind die nach 2009 angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter zusammen mit den vorher im Wirtschaftsjahr erworbenen Gütern einheitlich zu behandeln. Daher ist insoweit kein eigener Sammelposten zu bilden, diese Wirtschaftsgüter sind beim Preisen zwischen 150,01 € und 1.000 € zwingend gemeinsam in einem Sammelposten zu erfassen.

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