Ab 2014 macht das steuerliche Reisekostenrecht weniger Arbeit

Vereinfachungen bei Dienst- und Geschäftsreisen: Das verspricht ein neuer Gesetzentwurf, der ab 2014 gelten soll. Die Reform des Reisekostenrechts wird vor allem diejenigen Arbeitnehmer und Selbstständigen freuen, die beruflich häufig unterwegs sind.

Die Bundesregierung hat das Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts bereits als Entwurf  in das parlamentarische Verfahren eingebracht.
 

Das neue steuerliche Reisekostenrecht soll weniger Bürokratie für reisende Berufstätige bringen. Weniger Ärger gibt es insbesondere bei den Fahrten zur Arbeitsstätte oder zu auswärtigen Terminen sowie bei den Themen Verpflegung und auswärtige Unterkunft.

Reisekostenrecht: Erste Tätigkeitsstätte wird gesetzlich definiert

Ein wichtiger Baustein hierbei ist die gesetzliche Definition der ersten Tätigkeitsstätte. Diese berücksichtigt die aktuelle Rechtsprechung des BFH. Nun gibt es auch im EStG nur noch eine erste Tätigkeitsstätte je Dienstverhältnis.

Diese wird vorrangig anhand der arbeits- oder dienstrechtlichen Festlegungen bestimmt. Nur ausnahmsweise sollen quantitative Kriterien herangezogen werden, zum Beispiel der Umfang der zu leistenden arbeitsvertraglichen Arbeitszeit.

Konsequenz: Den beschränkten Werbungskostenabzug und die Entfernungspauschale gibt es damit nur noch für die Fahrt von zu Hause bis zur ersten Tätigkeitsstätte.

Die Fahrten zu allen anderen Tätigkeitsstätten sind hingegen als Fahrten zu einer Auswärtstätigkeit zu qualifizieren.

Ihre Mandanten können die Fahrtkosten nach der Reform des Reisekostenrechts deshalb häufiger in ihrer tatsächlichen Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen – oder sich steuerfrei vom Arbeitgeber erstatten lassen.

Weniger Staffelung bei den Verpflegungspauschalen

Außerdem wird das neue steuerliche Reisekostenrecht die Staffelung bei den Verpflegungspauschalen vereinfachen:

  • Für eintägige Auswärtstätigkeiten gibt es nur noch einen Pauschbetrag von 12 Euro – bei einer Mindestabwesenheitszeit von mehr als 8 Stunden. Eine weitere zeitliche Untergliederung entfällt.
  • Bei mehrtägigen Auswärtstätigkeiten gibt es für den An- und Abreisetag jeweils diese 12 Euro – und zwar ohne Mindestabwesenheitszeiten.
  • Während der Zwischentage bei mehrtägigen Auswärtstätigkeiten beträgt der Pauschbetrag bei einer Abwesenheit von 24 Stunden unverändert 24 Euro.

Die üblichen Mahlzeiten mit Preisen bis zu 60 Euro werden künftig ebenfalls mit dem Sachbezugswert für Frühstück, Mittag- und Abendessen angesetzt, sofern der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern die Mahlzeiten anlässlich einer auswärtigen Tätigkeit zur Verfügung stellt. Der Sachbezugswert beträgt derzeit 1,57 Euro für das Frühstück sowie 2,87 Euro für das Mittag-/ Abendessen.

Bislang bestand ein Wahlrecht, die Mahlzeiten entweder mit dem tatsächlichen Wert oder mit dem Sachbezugswert zu erfassen. Die Besteuerung der Mahlzeit unterbleibt, wenn der Arbeitnehmer für die auswärtige Tätigkeit eine Verpflegungspauschale beanspruchen könnte. Er kann damit einen Werbungskostenabzug nur noch für die von ihm bezahlten Mahlzeiten geltend machen.

Neues Reisekostenrecht reformiert die doppelte Haushaltsführung

Auch der Bereich der doppelten Haushaltsführung wird vereinfacht. Zu diesem Zweck wird für das Inland auf die Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete und Größe der Zweitwohnung verzichtet.

Stattdessen stellt das neue Gesetz auf die tatsächlichen Aufwendungen ab. Dies sind die Unterkunftskosten, die dem Arbeitnehmer wirklich entstehen, höchstens jedoch 1.000 Euro im Monat.

Die Aufwendungen für Übernachtungen im Rahmen einer längerfristigen Auswärtstätigkeit bis zu 48 Monate an ein und derselben auswärtigen Tätigkeitsstätte sind in Zukunft unbeschränkt als Werbungskosten abzugsfähig. Nach diesem Zeitraum werden die Aufwendungen nach den eingeschränkten Bedingungen bei doppelter Haushaltsführung behandelt.

Höchstbetrag beim Verlustrücktrag wird angehoben

Durch das Gesetz wird auch der Höchstbetrag beim Verlustrücktrag von derzeit 511.500 Euro (bei zusammen veranlagten Ehegatten 1.023.000 Euro) auf 1 Mio. Euro (bei zusammen veranlagten Ehegatten 2 Mio. Euro) angehoben.

Es lassen sich also doppelt so viele negative Einkünfte mit positiven aus dem Vorjahr verrechnen.

Die Ausweitung des Verlustrücktrages verschafft den Unternehmen insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Phasen mehr Liquidität , da sie weniger Abgaben an den Fiskus leisten müssen.

Diese betragsmäßige Ausweitung auf 1 Mio. Euro ist aber nicht nur auf die Gewinneinkünfte – also bei Unternehmern, Freiberuflern oder Landwirten – beschränkt.

Sie gilt auch bei den Überschusseinkünften, so dass beispielsweise auch Mietverluste in einem größeren Umfang als bislang auf das Vorjahr übertragen werden können.

Einfachere Regelungen zur steuerlichen Organschaft

Darüber hinaus werden die Regelungen zur steuerlichen Organschaft vereinfacht und an die aktuelle Rechtsprechung angepasst.

Das betrifft insbesondere die formalen Hürden bei der Durchführung eines Gewinnabführungsvertrags, d.h. bei der Verpflichtung des Tochterunternehmens, den gesamten Gewinn an die Muttergesellschaft abzuführen.

Inkrafttreten der neuen Regelungen

Das Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts tritt am 1. Januar 2014 in Kraft.

Es wird insgesamt zu Steuermindereinnahmen in Höhe von ungefähr 220 Millionen Euro führen, sofern sie auf die Vereinfachung des steuerlichen Reisekostenrechts entfallen.

Fundstellen

  • Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts, Regierungsentwurf vom 25.9.2012, BT-Drucks. 17/10774
  • BFH, Urteile vom 19.1.2012, VI R 32/11, BFH/NV 2012 S. 936, vom 9.6.2011, VI R 55/10, BStBl 2012 II S. 38 ; VI R 36/10, BStBl 2012 II S. 36 und VI R 58/09, BStBl 2012 II S. 34
  • §§ 8 Abs. 2 Satz 8 und 9 EStG, 9 Abs. 4, Abs. 4a, 9 Abs. Nr. 5a, 10d, 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1a EStG
  • §§ 14,17 KStG

Quelle: Dipl.-Finanzwirt Robert Kracht

 

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