Jahresendstrategie 2008 für Unternehmer

Im betrieblichen Bereich müssen nicht nur die anstehenden Änderungen durch das Jahressteuergesetz (JStG) 2009, sondern auch erstmals die Auswirkungen der Unternehmensteuerreform 2008 in vollem Umfang beachtet werden. Nachfolgend werden Tipps zur Steueroptimierung für Einzelunternehmer und Personengesellschafter, Hinweise auf gesetzliche Änderungen sowie Gestaltungsüberlegungen aufgezeigt.

Verlagerung

Auch wenn sich die Ertragsteuersätze im betrieblichen Bereich nicht ändern, kann eine Verschiebung von Einkünften wegen unterschiedlicher individueller Progression in 2008/2009 ratsam sein. Gewerbetreibende können z.B. Erträge aus laufenden Geschäften ganz oder zumindest teilweise ins Folgejahr verschieben oder vorziehen, indem Lieferungen an Kunden 2008 oder erst 2009 erfolgen oder Kunden Auftragsarbeiten vor oder erst nach dem Jahreswechsel abnehmen. Ähnlich sieht es aus, wenn Unternehmer Aufwendungen vorziehen oder hinausschieben, je nachdem, wann sie Erhaltungs- oder Instandsetzungsarbeiten oder Beratungs- und Werbeleistungen in Anspruch nehmen.

Hinzu kommen weitere punktuelle Überlegungen:

  1. GwG von bis zu 150 € können vor oder nach dem Jahreswechsel angeschafft werden.
  2. Durch den Kauf von Anlagegegenständen unter Inanspruchnahme der Sonder-AfA von 20 % zusätzlich zur linearen AfA ist ein höherer Aufwand erreichbar. Sofern das Betriebsvermögen zwischen 235.000 € und 335.000 € beträgt, sollte die Investition auf 2009 verschoben werden, um die Sonder-AfA in Anspruch nehmen zu können.
  3. Ab 2009 kann bei beweglichen Anlagegütern wieder die degressive AfA (dann 25 %) verwendet werden.
  4. Arbeitnehmern zustehende Gratifikationen, Pensionen oder Beihilfemaßnahmen im Ruhestand werden vorzeitig oder später zugesagt.
  5. Ein Wechsel von der degressiven zur linearen AfA lohnt sich bei beweglichen Wirtschaftsgütern, wenn die Gegenstände schon länger im Betrieb sind.
  6. Bei im Kurs gefallenen betrieblichen Wertpapieren kommt eine Teilwert-AfA in Betracht.
  7. Für die Aufbewahrung der Geschäftsunterlagen sowie ausstehende Urlaubstage der Belegschaft sind Rückstellungen zu bilden.
  8. Kleinunternehmer brauchen keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen, wenn der Umsatz 2008 maximal 50.000 € beträgt und im Vorjahr 17.500 € betragen hat. Um diese Höchstgrenze einzuhalten, sollten einige Leistungen erst nach Silvester ausgeführt werden.

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Die Grenzen für die Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen in § 18 Abs. 2 UStG steigen ab 2009 von 6.136 € auf 7.500 € (monatlich) und von 512 € auf 1.000 € (vierteljährlich). Sofern die neuen Grenzwerte im Unternehmen relevant sind, sollte die Anpassung der Buchhaltung bereits im Vorgriff darauf eingestellt werden. Sofern es ab 2009 zur quartalsmäßigen Abgabe der Voranmeldung kommt, muss bei Dauerfristverlängerung keine Vorauszahlung geleistet werden. Insoweit kommt es zu einer zinslosen Stundung.

Kommanditisten

Ab dem Inkrafttreten des JStG 2009 – voraussichtlich kurz vor Silvester – führen nachträgliche Einlagen bei negativen Kapitalkonten nach dem neuen § 15a Abs. 1a EStG weder zur nachträglichen Ausgleichs- oder Abzugsfähigkeit eines vorhandenen verrechenbaren Verlusts noch zur Ausgleichs- oder Abzugsfähigkeit des dem Kommanditisten zuzurechnenden Anteils am Verlust eines zukünftigen Wirtschaftsjahres. Daher kann es sich anbieten, angedachte Einlagen noch bis Mitte Dezember 2008 durchzuführen. Anschließend führen nachträgliche Einlagen nur noch insoweit zu einem Ausgleichsvolumen, als es sich um Verluste des Wirtschaftsjahres der Einlage handelt. Soweit der Verlust nicht ausgeglichen oder abgezogen werden darf, mindert er die Gewinne, die dem Kommanditisten in späteren Wirtschaftsjahren zuzurechnen sind.

Das Entstehen eines nicht ausgleichsfähigen Verlusts im laufenden Geschäftsjahr kann vermieden werden, indem Kommanditisten vor Abschluss des Wirtschaftsjahres z.B.

  1. ihr Einlagekonto durch eine Geldzahlung aufstocken,
  2. einen Kredit der KG übernehmen, für den ohnehin bereits Sicherheiten gestellt werden,
  3. auf Teilbeträge ihres Darlehenskontos verzichten,
  4. im Handelsregister vor Jahresabschluss eine höhere Haftungssumme eintragen lassen oder
  5. in die Vollhafterstellung eines Komplementärs wechseln, wozu vor Ende des Wirtschaftsjahres der Gesellschaft der entsprechende Beschluss zu fassen ist.

Vorsteuerabzug beim betrieblichen Fuhrpark

Der Entwurf zum Jahressteuergesetz (JStG) 2009 sah die Wiedereinführung des hälftigen Vorsteuerabzugs nach § 15 Abs. 1b UStG bei nicht ausschließlich unternehmerisch genutzten Fahrzeugen vor. Dieses Vorhaben wird wegen systematischer Bedenken wieder fallengelassen. Daher muss ein Pkw nicht zwingend noch 2008 angeschafft oder geleast werden, um den vollen Vorsteuerabzug zu retten. In Frage kommt jedoch die Ausnutzung der Steuerbefreiung von der Kfz-Steuer von bis zu zwei Jahren bei einer Neuanschaffung.

Thesaurierungsmöglichkeit

Einzelunternehmer und Personengesellschafter ab einer Beteiligung von 10,01 % oder einem anteiligen Jahresgewinn ab 10.001 € können für 2008 erstmals auf Antrag die pauschalierte Thesaurierungsbesteuerung gem. § 34a EStG mit einem Tarif von 28,25 % nutzen (Details siehe BMF-Schreiben v. 11.08.2008 – IV C 6 – S 2290-a/07/10001, BStBl I 2008, 838, STX 34/2008, 523).

Der Antrag muss nicht für den gesamten einbehaltenen Gewinn gelten, er kann auch für Teilbeträge gestellt und bis zur Unanfechtbarkeit des Einkommensteuerbescheids des nächsten Veranlagungszeitraums zurückgenommen werden.

Grundsätzlich lohnt sich die Thesaurierungsbesteuerung nur, wenn die Progression deutlich über dem Pauschalsatz von 28,25 % liegt und auf längere Sicht nicht mit Überentnahmen gerechnet wird. Sonst kommt es zu einer Nacherfassung von weiteren 25 % Einkommensteuer und somit einer Gesamtbelastung von 48,32 % inkl. Solidaritätszuschlag. Damit rechnet sich die Thesaurierungsoption nur, wenn Gewinne voraussichtlich längerfristig im Betrieb bleiben sollen und keine Betriebsveräußerung, -aufgabe oder ein Wechsel zur Einnahmenüberschussrechnung geplant ist. Dann führt die Thesaurierungsbesteuerung zu freier Liquidität und steht ohne Kreditbedarf für betriebliche Investitionen und laufende Geschäftsausgaben zur Verfügung.

Investitionsabzugsbetrag

Beabsichtigen Unternehmer in den nächsten drei Jahren die Anschaffung neuer oder gebrauchter beweglicher Wirtschaftsgüter, können sie in 2008 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten vorab als Aufwand steuerlich absetzen. Das gelingt Bilanzierenden mit einem Betriebsvermögen von maximal 235.000 € in 2008. Sofern als Vorweginvestition bis zu 200.000 € je Betrieb abgezogen werden sollen, kann dieser entlastende Gewinneffekt durch gezielte Maßnahmen bis Silvester noch genutzt werden. Die geplanten Wirtschaftsgüter müssen allerdings anschließend zu mehr als 90 % betrieblich genutzt werden. Sofern ein bereits 2007 gebildeter Investitionsabzugsbetrag im laufenden Jahr mangels Erwerb vorzeitig aufgelöst werden soll, muss er im Jahr der Bildung rückgängig gemacht werden. Das führt rückwirkend zu einer entsprechenden Gewinnerhöhung und evtl. auch zu einer Verzinsung der daraus resultierenden Steuernachforderungen. Die fällt aber deutlich geringer aus, als wenn der Unternehmer die Dreijahresfrist ausschöpft und den Abzugsbetrag erst dann auflöst.

Weitere Hinweise in Kurzform

Bei grenzüberschreitend tätigen Unternehmen ist ab 2009 über § 146 Abs. 2a AO eine Verlagerung der Buchführung ins EU-/EWR-Ausland möglich. Sofern diese neue Option in Betracht kommt, sollte frühzeitig reagiert werden.

Der Satz für die Künstlersozialabgabe sinkt 2009 von 4,9 % auf 4,4 %. Sofern Unternehmen wie Verlage, Werbeagenturen, Autohäuser, Möbelhäuser, Gaststätten oder Galerien in ihrem Geschäftsfeld künstlerische oder publizistische Leistungen nutzen, bietet sich die Bezahlung der Künstler oder Publizisten erst in 2009 an. Maßgebend ist der Satz bei Honorarzahlung.

Bei vor 2009 angeschafften oder hergestellten beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens verbleibt nur noch die lineare Abschreibung. Kostet das Anlagegut zwischen 150,01 € und 1.000 €, kommt es erstmals zwingend zur neuen Poolbewertung über fünf Jahre mit jeweils 20 % AfA. Dabei gibt es keine zeitanteilige Berechnung, auch bei Anschaffung bis Ende Dezember kann der volle Jahresbetrag in Anspruch genommen werden. Hier gelingt also eine Gewinnminderung in Höhe von einem Fünftel der Anschaffungskosten.

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